Elternschule

Das irdische Haus der Obhut für das Kind
besteht aus dem lichten Geist
und dem liebenden Herzen
der Menschen, die sein Wesen erkennen.

Die ihm erlauben, angebunden zu bleiben
an das geistige Wirken,
welches seine Existenz bestimmt
und die ihm dienen, sein Leben zu erfüllen.

Die Elternschule ist ein Raum für das Anliegen,
Kindern auf ihrem großen Entwicklungsweg nach bestem Wissen beizustehen,
ihnen dabei sowohl Entfaltung zu gewähren
wie auch sie vorbildhaft an der Hand zu nehmen und zu führen.

Dabei dient die Elternschule dem Prozess des Wachstums hinein in das Elternsein,
egal an welcher Stelle Ihres Elternseins Sie stehen.
Die Elternschule dient dem Hineinwachsen in das Mutter- und Vatersein, denn als solche werden wir
nicht geboren.

Sie widmet sich dem Prozess mütterlicher und väterlicher Entwicklung,
der von dem Prozess des inneren Wachstums,
dem der Erweiterung des Bewusstseins umschlossen ist und in diesem aufgeht.

Dies bedeutet,
über alltägliche Fragen zu Bedürfnissen und Wohl des Kindes hinaus,
lernen und hervorbringen zu dürfen,
was das Wesen des Mutterseins und das Wesen des Vaterseins jeweils in sich bergen.
Und es beinhaltet zudem,
in welcher Weise sich der vom Kind an die Mutter gerichtete Bedarf
von dem an den Vater gerichteten unterscheidet.

So lehrt die Elternschule zum einen das Wie und Weshalb
im elterlichen Umgang mit dem neugeborenen und aufwachsenden Kind
und zum anderen die körper-geist-seelischen Hintergründe und Zusammenhänge,
in denen das Wie und Weshalb wurzelt.

Ein Kind steht ganz am Anfang
seines eigenen vielschichtigen Wachstumsprozesses.
Dabei hat es unsagbar viel zu lernen, zu vollbringen, zu meistern und zu tragen.

Das gesamte menschliche Leben ist Wachstum, Erweiterung, Entwicklung.
In dieser Weise vollzieht sich der Lebensweg eines jeden Menschenkindes.

Dabei birgt dieser von Beginn an eine Fülle von Erfahrungen,
die in unterschiedlichster Weise der fürsorglichen Zugewandtheit seiner Eltern bedürfen,
um die innere Stärke auszubilden, die es befähigt,
die alltäglichen kleinen und großen Herausforderungen meistern,
dabei zunehmend seine Gaben und Tugenden hervorbringen und einsetzen,
seine Schwächen und Unzulänglichkeiten anerkennen
und nicht zuletzt von Untugenden ablassen zu lernen.

Wo der Entwicklungsweg des kleinen Wesens beginnt,
erfährt der seiner Mutter und seines Vaters eine umfassende
wie auch außergewöhnliche Erweiterung.

Diese führt in eine bis dahin unbekannte,
völlig neue Dimension des Frauseins und des Mannseins,
der eine besondere Verantwortung für das hohe Wohl des Kindes innewohnt.

Alles dafür Erforderliche ist zunächst jedoch vollständig ungelernt,
wenngleich bereits in begrenzter Weise durch die eigenen Eltern erfahren.
Und natürlicherweise ist manches wenig hilfreich und geeignet,
wenn wir dann selbst Eltern sind.

Die Besonderheit der Verantwortung wird offenbar,
wenn wir über die alltäglichen und alltagspraktischen Erfordernisse hinausschauen
und uns fragen, welches Wesen uns als Mutter und Vater da anvertraut ist.

Empfangen, Gebären und Großziehen
gewinnt eine größere, umfassendere Bedeutung
im Licht der geist-seelischen Heimat, der ein Kind entstammt.

Und so ist das Anliegen der Elternschule,
sich pädagogischen und psychologischen Betrachtungen
sowie alltäglichen Erziehungsfragen zwar ausführlich anzunehmen,
jedoch über diese hinauszugreifen.

Denn das Kindsein ruft nach mehr.

Sein Wesen verlangt danach,
sowohl in elterlicher Gewährung und Unterweisung
als auch in erforderlicher Begrenzung stetig Beantwortung zu finden.
Dies ganz bestimmt im Rahmen seines kindlichen Alltags,
weit mehr jedoch in der körper-geist-seelischen Ganzheit
seines Seins und dessen Beheimatung.

Die Aufgabe der Elternschule ist dabei,
der Erweiterung von Bewusstsein und Beherztheit von Mutter und Vater zu dienen.

In dieser Erweiterung
dürfen Eltern eine Sicht auf das ihnen anvertraute Wesen erlernen,
die den derzeitigen Erkenntnissen von Psychologie und Erziehungswissenschaft
einen weiteren Aspekt hinzufügt.

Aus dieser Sicht erwächst dann das Erkennen,
was im täglichen Miteinander wie auch in der Umgebung des Kindes
förderlich ist und was nicht.

Zudem entsteht die Kraft, dem in Haltung, in Wort und in Tat zu folgen.